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Montag, 17. Oktober
»Vom Ende der Welt« –
Faszination Apokalypse
in Literatur, Wissenschaft, Kunst und Film
41. Literarische Woche Bremen 2017
16. Januar – 24. Januar 2017

Die Lust an der Apokalypse ist ein psychologisches Motiv, das in der Menschheitsgeschichte immer wieder zu beobachten ist. Weltuntergangsstimmung zu verbreiten und sich auszumalen, wie es denn sein wird, fasziniert und erschreckt gleichzeitig. Die Literaturwissenschaftlerin Eva Horn erläutert in ihrem Buch „Zukunft als Katastrophe“, dass der „apokalyptische Ton“, den Jacques Derrida bereits den Achtziger Jahren bescheinigte, gegenwärtig in den unterschiedlichsten Spielarten und Diskursformen wiederkehrt: im Kino, in der Kunst, in der Literatur. Nach Johannes Fried ist der Weltuntergang nach über tausendjähriger Rezeption zu einer klassischen irdischen, weltlichen Denkfigur geworden. In seiner Ideengeschichte der Apokalypse zeigt er, dass Endzeitängste ein besonderes Phänomen der abendländischen, christlichen Kultur sind. Von den biblischen Propheten bis zu den heutigen Tageszeitungen ist die christliche Kultur geprägt vom Glauben an ein unerbittliches Ende.

Kein Zweifel: Die Apokalypse hat wieder Konjunktur. Nicht zuletzt die derzeitige Krisenhaftigkeit der Epoche hat Autoren, Künstler oder Filmemacher auf der ganzen Welt angeregt, detaillierte Katastrophenszenarien vorzulegen, vom Kollaps der Nahrungs- und Energieversorgung bis hin zur Auslöschung der Menschheit. Ein Blick auf die deutsche Gegenwartsliteratur macht klar: Die Apokalypse, Endzeitszenarien oder Dystopien sind Themen, denen sich deutschsprachige Autoren zurzeit verstärkt widmen.

Die 41. Literarische Woche Bremen beleuchtet in diesem Jahr die Faszination Apokalypse und berührt das Thema unter verschiedenen Einzelperspektiven aus Literatur, Wissenschaft, Kunst und Film. Die eingeladenen Autorinnen und Autoren entwerfen mit Inbrunst Apokalyptische Schauplätze – variationsreich und radikal. Es sind Endzeit- oder Zukunftsszenarien, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: mal satirisch, mal todernst, mal bitterböse, bisweilen sogar mit etwas Licht am Ende des Tunnels.

(Tobias Peters)

 

Abbildung: Peter Paul Rubens (1577–1640): Höllensturz der Verdammten (Standort: Alte Pinakothek, München); Ausschnitt